Der wohl bekannteste Sohn des vorindustriellen Schweinfurts ist der 1788 geborene Friedrich Rückert – ein Dichter und Übersetzer und einer der Begründer der deutschen Orientalistik. Sein Andenken lebt fort in zahlreichen Werken, die zum Teil von namhaften Komponisten wie Schubert, Brahms, Schumann
und Mahler vertont wurden.
Ein nur vertrauten Kreisen bekannter Schweinfurter war der Arzt Johann Lorenz Bausch. Er wirkte über ein Jahrhundert früher und gründete 1652 mit drei Kollegen in Schweinfurt die Leopoldina - die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt.
Doch die eigentliche Erfolgs-Geschichte Schweinfurts begann mit der Industrialisierung, an deren Anfang ein etwas fragwürdiger Erfolg stand. Dieser ist eng mit der Bezeichnung „Giftgrün“ verknüpft. Das „Schweinfurter Grün“ (auch Pariser Grün oder Mitisgrün genannt) war eine Farbe,
die andere grüne Farben sowohl an Leuchtkraft und Beliebtheit als auch an Giftigkeit um ein Vielfaches überbot. Es wurde seit Beginn des 19. Jahrhunderts durch den Industriellen Wilhelm Sattler zunächst in Schweinfurt, später dann in einem Vorort Schweinfurts industriell hergestellt. Verwendung fand es unter
anderem bei der Einfärbung von Tapeten, Teppichen, Vorhängen und Kleidern - ja, sogar von Spielzeug und Süßigkeiten! 1886 wurde es in Deutschland als Farbe schließlich verboten und nur noch als Insektizid eingesetzt. Zeitweise mutmaßte man sogar, Napoleon sei an den Arsenausdünstungen seiner mit
Schweinfurter Grün getränkten Tapeten gestorben.
Einen kometenhaften Aufstieg erlebte Schweinfurt jedoch erst mit dem Beginn der Motorisierung und der steigenden Nachfrage nach Kugellagern und Fahrzeugteilen. Philipp Moritz Fischer, der 1853 das Tretkurbelfahrrad erfunden hatte, gründete 1872 die Firma Kugelfischer, die spätere FAG Kugelfischer Georg
Schäfer AG. Hier baute 1883 sein Sohn Friedrich Fischer die erste Kugelschleifmaschine – die Voraussetzung für den Beginn der Wälzlagerindustrie. Bereits sieben Jahre später erhielt Kugelfischer Konkurrenz in unmittelbarer Nähe durch die Kugellagerfabrik Fries & Höpflinger, die spätere SKF. Ein
weiterer Erfinder, der Schweinfurt weltweit bekannt machte, war Ernst Sachs, der 1895 mit Karl Fichtel die Firma Fichtel & Sachs gründete. 1894 hatte Sachs ein Patent auf seine Präzisionsnaben erworben und 1903 erfand er die Torpedo-Freilaufnabe - eine Freilaufnabe mit Rücktrittbremse, die in den
folgenden Jahrzehnten bei Fichtel & Sachs ständig verbessert und weiterentwickelt wurde.
Aufgrund seiner Bedeutung für die Fahrzeug- und Rüstungsindustrie stieg Schweinfurt im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur führenden Kugellagerstadt des Deutschen Reiches auf, mit über 60 % der deutschen Gesamtproduktion. Dies machte die Stadt im Zweiten Weltkrieg zur bevorzugen Zielscheibe
für Luftangriffe der Alliierten. Eine ähnliche Bedeutung erlangten nach dem Zweiten Weltkrieg auch die Sachs-Kleinmotoren, die mit den Schweinfurter Wälzlagern und Fahrradteilen ihren Siegeszug um die Welt antraten.
Sein hauptsächlich auf Kugellager festgelegtes Image behielt Schweinfurt bis kurz nach seiner 1.200-Jahr-Feier im Jahr 1991. Doch dann kam die schwere Krise. Die Stadt, deren Erwerbstätige seit Jahrzehnten auf die Großindustrie angewiesen waren, verlor 1993 Tausende von Arbeitsplätzen. Jedoch nicht ihren
Mut und Erfindergeist. Bereits 1994 formierte sich GRIBS, das Gründer-, Innovations- und Beratungszentrum. 1995 wurde der Industrie- und Gewerbepark Maintal in Angriff genommen, in dem sich schon 1998 die ersten Unternehmen ansiedelten. 1996 begann die Planung für das Museum Georg Schäfer, das seit seiner
Eröffnung im Jahr 2000 die größte Spitzweg-Sammlung der Welt beherbergt.
Innerhalb weniger Jahre schaffte Schweinfurt den Weg aus der Krise und vollzog den Wandel von einer klassischen Industriestadt zu einem modernen Wirtschaftsstandort. Und nicht nur das. Es katapultierte sich innerhalb von 14 Jahren aus seiner Stagnation heraus in die Position der „dynamischsten Stadt
Deutschlands“, der Stadt mit dem höchsten Pendlereinkommen und einem BIP, das hinter dem des Landkreises München und dem der Stadt Frankfurt am Main auf Platz 3 in Deutschland und auf Platz 2 in Bayern liegt.
Wie die weiteren Kapitel der Schweinfurter Erfolgs-Geschichte aussehen werden, wird die Zukunft offenbaren. Ihre Autoren stehen allerdings schon heute fest: alle, die Schweinfurt aktiv und kreativ mitgestalten.
Weitere Informationen über die Geschichte Schweinfurts unter www.schweinfurt.de.


